„Es war einmal …“ Märchen zu erzählen gehört zu den ältesten Formen menschlicher Kommunikation. Bevor es Bücher gab, wurden Geschichten lediglich mündlich überliefert, zum Beispiel von Großmüttern, Schamanen oder Reisenden. Spannende, packende Storys mit Fabelwesen, Ungeheuern, Feen, Zauberern, Königinnen und Prinzen begeistern Groß und Klein seit jeher. Das hat sich nie wirklich geändert. Und so ist die Kunst des Märchenerzählens heute noch genauso angesagt wie vor Jahrhunderten. Einige haben daraus sogar einen Beruf gemacht und ziehen mit ihrem unterhaltsamen Märchen-Programm durchs Land: selten Laien, oft Profis wie Autoren, Pädagoginnen, Literaturwissenschaftler und Schauspielerinnen, meist mit einer Sprechausbildung und rhetorisch geschult. Denn eine emotional lebendige, dynamische Darstellung mit der richtigen Intonation, Gestik, Musikuntermalung und manchmal sogar dem passenden Kostüm ist essenziell. Neben einer warmen Stimme und einem Gespür für Sprache wichtig sind ferner Einfühlungsvermögen, kulturelles Verständnis – und eine große Leidenschaft fürs Darstellen. Im Idealfall befindet sich das Publikum am Ende „wirklich“ in der Drachenhöhle oder im verwunschenen Wald und macht dort den Figuren Mut.
Gebrüder Grimm en vogue
Bei der Buchung werden insbesondere Klassiker der Gebrüder Grimm angefragt. Beliebt sind vor allem „Hänsel und Gretel“, „Der Froschkönig“ und „Schneewittchen“, übrigens nicht nur bei Kleinkindern. Schulen und Bibliotheken etwa beschäftigen die Kunstschaffenden gern, um mit ihnen die Sprachentwicklung, Fantasie, Konzentrationsfähigkeit und emotionale Intelligenz von Jugendlichen zu fördern. Märchentanten (und -onkel) treten außerdem bei „normalen“ Lesungen und zwischen Liveacts bei Musikfestivals auf. Sogar in der Therapie kommen sie zum Einsatz: Sie kümmern sich um Senioren in Lebenskrisen, Geflüchtete oder Traumatisierte, indem sie die heilende Kraft von Geschichten einsetzen. Bei Burg-, Museums- und Stadtführungen sind sie ebenfalls stark gefragt.




