„Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah?“ Das wusste schon Goethe. Aber ist das wirklich so? Kann man zum Beispiel schwedische Wildnis in einer (groß-)städtisch geprägten Gegend mitten in Deutschland finden? Gibt es tatsächlich solche Orte zum kurzen Abschalten vom Alltag? CarpeGusta machte den Test und begab sich auf die Suche.
Nein, echtes Lappland-Feeling war natürlich nicht zu erwarten. Das schafft nicht einmal eine Region wie die Mecklenburger Seenplatte. Aber so etwas wie Värmland, das vergleichsweise leere Naturparadies mit seinen legendären 1000 Seen in Mittelschweden? Das muss es hier doch irgendwo geben, oder? Die Antwort darauf ist ein klares Jein. Aber der Reihe nach …
Värmland im Großraum Köln
Die selbst gesteckte Vorgabe lautete, höchstens 100 Kilometer von Köln entfernt fündig zu werden. Wie sich schnell herausstellen sollte, war das eine echte Herausforderung. Schließlich ist Köln eine Millionenstadt; urbaner geht es also kaum! Die Suche begann mit einer Grobrecherche bei Google Earth, gefolgt von einer Feinabstimmung mithilfe von Navigations-Apps. Potenziell geeignete Gegenden wurden online noch einmal genau unter die Lupe genommen, um unnötige Reisen zu vermeiden. Relativ schnell kristallisierte sich dabei eine Region als „potenziell schwedisch“ heraus: der Westerwald und seine Seenplatte. Zwar gilt die allgemeinhin als touristisch, aber es gab einen vielversprechenden Geheimtipp.
Ein Biosphärenreservat namens Haidenweiher
Auf Fotos nämlich sah der dortige Haidenweiher ziemlich schwedisch aus und war mit 30 Hektar Wasserfläche auch alles andere als klein. Die Recherchen ergaben: Die Seen in seiner Nachbarschaft waren vor allem bei schönem Wetter wirklich ziemlich überlaufen, der Haidenweiher aber wurde als idyllisch, touristisch nicht erschlossen und im positiven Sinne einsam beschrieben. Das war natürlich einen Versuch wert! Und tatsächlich bestätigte sich bei der Ankunft das Bild. Das Panorama ist definitiv „echt schwedisch“.
Nur leider gibt es dabei ein Problem: Diese Aussicht lässt sich lediglich von zwei ganz kleinen Zugangspunkten aus genießen. Die liegen aber direkt an einer Straße. Schwedisch ist natürlich anders. Zwar führen einige Waldwege komplett um den Weiher herum. Nur lässt sich von dort nirgendwo auch nur ein kurzer Blick auf das Gewässer erhaschen. Bäume und Schilf schirmen ihn regelrecht ab. Unnötig zu erwähnen, dass es somit auch keine Zugänge zum Ufer gibt. Der Grund: Der Haidenweiher steht als Biosphärenreservat komplett unter Naturschutz. Niemand darf ihm zu nahe kommen, damit Vögel dort in Ruhe brüten können. An sich ist das selbstverständlich lobenswert. Nur was nützt ein solch wunderschönes Naturschutzgebiet, wenn kein Mensch etwas davon hat? Schießt das nicht vollkommen übers Ziel hinaus?
Kurz: Ja, es gibt Schweden-Flair nahe Köln, nur gilt hier eben nicht Goethes Ausspruch von oben, sondern ein anderes geflügeltes Wort: „Nur gucken, nicht anfassen!“
Ein Kompromiss namens Gruhlsee
Nach Ausschluss der zahlreichen Badeseen und den mit ihnen verbundenen Menschenmassen blieb schließlich nicht mehr viel übrig. Und wirklich schwedisch waren die restlichen Kandidaten auch nicht wirklich. Noch halbwegs nah dran kommt der Gruhlsee in Brühl, direkt vor den Toren der Metropole. Mit nur sechs Hektar und mitten in einem Wald gelegen, ist er eher unscheinbar, aber zumindest schwedisch ruhig – und das, obwohl in unmittelbarer Nachbarschaft der Bär tobt: Das beliebte Strandbad Heider Bergsee und sein Campingplatz sind keine 200 Meter Luftlinie entfernt. Wirklich schwedisch ist der Gruhlsee somit nur mit ganz viel Wohlwollen …
Fazit: Schweden-Flair gibt es nur in Schweden. Man hätte es sich eigentlich denken können. Aber wie sagt noch der Volksmund? „Versuch macht klug.“ Eben!








