Wenn Liebe zur Literatur auf Leidenschaft für georgische Küche trifft, entsteht daraus ein Restaurant der ganz besonderen Art: eine Eventlocation nämlich namens „Bibliothek“. Das kleine Juwel befindet sich im Bonner Stadtteil Beuel und der Name ist Programm: Überall stehen Bücherregale voll mit Klassikern und modernen Werken. Von den Decken hängen Werke von Kafka, Rilke und Co. an Nylonfäden herunter. Sogar die Tür zu den Toiletten passt ins Konzept; sie ist mit einer Art Büchertapete versehen – ein wahrlich einzigartiges Ambiente!
CarpeGusta ließ sich dieses außergewöhnliche Konzept natürlich nicht entgehen und tauchte für einen Abend in eine Welt ein, in der Kultur auf eine ganz besondere Weise mit Genuss verschmilzt.
Was wir aus der Speisekarte getestet haben:
Alles beginnt mit der richtigen Drink-Wahl. Die fiel dieses Mal giftgrün aus, und zwar in Gestalt einer landestypischen Estragon-Limonade. Sie schmeckt süß, würzig und hat ein leichtes Kräuteraroma. Vorsicht ist dabei allerdings geboten. Denn wer sie kostet, läuft Gefahr, geradezu süchtig nach ihr zu werden! Wir jedenfalls sind dem feinperligen Erfrischungsgetränk gnadenlos verfallen. Zweiter Tipp zum unbedingt Ausprobieren: die Birnen-Limo!
Die Vorspeisen
- Unser Menü startete mit sechs feinen Röllchen: Bei den „Manana“ werden gegrillte Zucchini zur Ummantelung einer delikaten Füllung aus Käse, Koriander und Knoblauch genutzt. Das Gemüse überzeugte durch seine saftige und zugleich bissfeste Konsistenz, die im perfekten Kontrast zum zartschmelzenden Interieur stand. Ein gelungener Auftakt, der direkt Lust auf die weiteren Gänge machte!
- Die zweite Vorspeise „Phali Assorti“ bot eine bunte Mischung aus drei Walnuss-Pasten: mit Spinat, Roter Bete und Kohl. Verfeinert waren sie mit Gewürzen, Granatapfel und Knoblauch. Dazu gab es Brot und milde Peperoni. Ein facettenreiches Trio, das traditionelle Aromen auf raffinierte Weise vereinte!
- Es folgte ein Salat in knackigem Bordeaux: Der „Kleine Georgien“-Teller entpuppte sich als erfrischend anders: Rote Bete, georgische Kräuter, Walnüsse, rote Zwiebeln und Granatapfel machten das Entree zu einem wirklich besonderen Gaumenerlebnis – optisch ein Hingucker, geschmacklich originell, eine rundum köstliche Komposition also!
Die Hauptspeisen
- Als bekennende Hackfleisch-Fans mussten wir unbedingt das „Lula“ testen. Das sind Hackfleischspieße aus Rind-, Schweine- und Hähnchenfleisch. Sie werden auf dem Grill gegart und mit Kräutern, Koriander, Knoblauch und Zwiebeln melangiert, serviert auf frischem dünnem traditionellem Fladenbrot mit roten Zwiebeln, Beerensoße on top dazu. Als Beilage kann man zwischen Pommes, Reis, Bratkartoffeln, gegrilltem Gemüse und Gemüsesalat wählen. Wir entschieden uns für das Gemüse. Was vielleicht einfach klingt (nämlich Grillen), birgt bekanntlich viele Tücken! Denn dabei können Hackfleischspieße ganz schnell zu trocken oder einfach zu blutig werden. In diesem Fall aber war das Resultat ausgezeichnet. Besser kann man einen Spieß nicht auf den Teller zaubern!
- Ebenso gelungen kam das „Odjakhuri“ daher. Zarte Fleischstücke werden zusammen mit Kartoffeln, Zwiebeln, Paprika und Kräutern in der Pfanne mit hausgemachtem eingelegtem Gemüse zu einem defitigen Gericht komponiert serviert. Es schmeckte nach absolut authentischer Wohlfühlküche.
- Auf jeden Fall empfiehlt es sich, eine Portion „Khinkali“ dazu zu bestellen. Wir entschieden uns bei diesen gefüllten Teigtaschen für die mintgrüne Variante mit Spinat und Käse – und waren hellauf begeistert, weil bereits der erste Bissen beglückte! Übrigens bedürfen die kleinen Spezialitäten einer besonderen „Behandlung“, die man kennen sollte. Denn man isst sie nicht mit Messer und Gabel, sondern mit den Händen, indem man sie am „Kopf“ vorsichtig anhebt, seitlich hineinbeißt und dann die heiße Füllung langsam genießt.
Gebäckinszenierung als kleine Show
Ein weiteres Highlight: „Adjarischer Khachapuri“ weiches Brot in Boot-Form mit einer Melange aus geschmolzenem Käse, frischem Ei und einem Stück Butter in der Mitte. Nach dem Servieren wird die Füllung am Tisch fachkundig finalisiert. Alle Zutaten werden kunstvoll verrührt, bis sie zu einer homogenen Masse verschmelzen. Das Procedere wird vor den Augen der Gäste regelrecht zelebriert und sorgt für eindrucksvolle Event-Momente. Anschließend bricht man das Brot peu à peu ab und tunkt es in den Käse.
Desserts zum Träumen
- „Oreshek“ heißen die sogenannten Zaubernüsse. Die filigranen Teigwaren sehen echten Nüssen zum Verwechseln ähnlich und überraschen im Inneren mit einer süßen Crème aus gekochter gezuckerter Kondensmilch. Delikat!
- Die „Medovik Torte“ ist ein Kuchen mit mehreren Honigbodenschichten und Sahne. Verführerisch!
- Und die drei Törtchen in unterschiedlicher Ausführung vereinen Frucht mit feinster Textur: Himbeer-Weiße-Schokolade, Latte Macchiato und Erdbeer-Käse-Sahne. Himmlisch!
Location:
Und weil Bilder mehr sagen als Tausend Worte, präsentieren wir abschließend diese kleine Fotogalerie, die sofort sichtbar macht, was genau den Charme dieses Ortes ausmacht …
Die in diesem Artikel enthaltenen Bewertungen und Meinungen spiegeln die persönliche Einschätzung der Redaktion wider und basieren auf einem Besuch, der vor der Veröffentlichung stattgefunden hat. Es wird ausschließlich das bewertet, was während dieses Besuchs erlebt und gegessen wurde. Unser Test ist daher subjektiv und sagt nicht zwingend etwas über das Gesamtangebot aus.
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