Von Edith Piaf bis Maria Callas: 10 Stimmen – 1 Frau

Eine Frau steht auf der Bühne. Im schlichten schwarzen Kleid. Sie ist allein. Sie spricht, gestikuliert und singt mit Inbrunst. Musikalisch untermalt wird ihr expressives Schauspiel von einer Live-Band, die den Wellengang ihrer Emotionen widerspiegelt. Darüber hinaus steht Susanne Eisenkolb im zweistündigen Musical „Songs for Nobodies“ niemand zur Seite. Doch wirklich allein ist die Künstlerin dennoch nicht. Denn sie schlüpft in insgesamt zehn Rollen: von fünf Weltstars und von fünf vollkommen unbekannten Frauen – den „Nobodies“ –, deren Leben sich für einen flüchtigen, aber bedeutsamen Moment berühren. Wie eindrucksvoll der Wienerin dieser Balanceakt gelingt, davon konnte sich CarpeGusta bei der Aufführung im „Kleinen Theater Bad Godesberg“ selbst überzeugen.

Grandiose Verwandlungskunst

Was ist Glück? Mit diesem Gedankenanstoß beginnt die Aufführung. Er zieht sich wie ein roter Faden durch den gesamten Abend und damit durch die Biografien berühmter Persönlichkeiten. Den Anfang macht Judy Garland, der Susanne Eisenkolb in einem imaginären Zwiegespräch mit der Diva begegnet. Meisterhaft wechselt sie dabei zwischen beiden Figuren, zeichnet sie klar konturiert und ausdrucksstark. Diese hohe Kunst der Verwandlung setzt sich fort in den Begegnungen mit Patsy Cline, Billie Holiday, Édith Piaf und Maria Callas. Jeder von ihnen verleiht sie eine eigene Klangfarbe und Emotionalität.

Ihre Darbietung beschränkt sich dabei nicht auf eine rein mimische und sprachliche Inszenierung: Vielmehr interpretiert sie auch die Musik der Stars mit großer Empathie: Nashville-Klänge etwa im warmen, melancholischen Ton einer Patsy Cline, französische Chansons voller fragiler Wehmut in der Tradition Édith Piafs, rauen Jazz im Geiste Billie Holidays und schließlich sogar voluminöse Oper à la Maria Callas.

Fazit: Exzellente, philosophisch angehauchte One-Women-Show!

Service:

„Songs for Nobodies“ läuft noch bis zum 30. Juni.

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