Bienvenue à Paris: Lange war unklar, wie und wo es weitergeht. Jetzt hat das „Urania Theater“, nachdem es sein altes Domizil wegen Baumängeln verlassen musste, direkt neben dem Kölner Zoo ein neues Zuhause gefunden. Und das könnte spektakulärer kaum sein: Wer den „Spiegelpalast“ betritt, fühlt sich sofort zurückversetzt ins Frankreich der 1930er-Jahre. Opulente Kronleuchter hängen funkelnd von der Decke, roter Samt sorgt für Glamour, ausladende Spiegel lassen den Raum noch glanzvoller wirken.
Am Wochenende feierte hier „Der Jongleur von Notre Dame“ Premiere. CarpeGusta war dabei und tauchte ein in eine schillernde Nacht, in der die Grenzen zwischen Theater, Varieté und Zirkus verschwammen und zu einem rauschenden Gesamtkunstwerk verschmolzen.
Zwischen rotem Samt und großen Illusionen
Dem Titel der Show entsprechend zieht sich die Jonglage wie ein roter Faden durch die gesamte Inszenierung. Die Auftritte von Kris und Harrison Kremo gehören dabei zu einem wiederkehrenden Highlight. Was das Duo gemeinsam auf der Bühne zeigt, ist weit mehr, als Gegenstände zu balancieren. Mit lässiger Präzision lassen sie Bälle durch die Luft tanzen, türmen Klötze zu immer neuen Figuren auf oder „spielen“ mit feuerroten Hüten über und auf ihren Köpfen. Federleicht, leichtfüßig und wie selbstverständlich wirkt das. Doch jede Bewegung ist natürlich mit höchster Konzentration und meisterlicher Körperbeherrschung verbunden.

Der besondere Zauber ihrer Performance liegt in ihrem vertrauten Zusammenspiel begründet. Das unterscheidet sie fundamental von vielen ihrer Kolleginnen und Kollegen: ein inniges familiäres Band – zwei Generationen, die sich aufeinander blind verlassen können. Über die Jahre sind sie so sehr zusammengewachsen, dass sich aus ihrer gemeinsamen Leidenschaft eine ganz eigene Form der Virtuosität entwickelt hat. Mal gibt der Vater den Rhythmus vor, mal der Sohn, dann wieder beide gemeinsam. Ihre Bewegungen gehen stets elegant ineinander über – mit jener charmanten Nonchalance, die große Varieté-Stars auszeichnet.
Mehr als „nur“ Jonglage
Selbstverständlich sind sie nicht allein in der Manege: Akrobatinnen und Akrobaten schweben am Trapez durch den Raum, Seifenblasenartist Alexej (ver-)zaubert fragile Gebilde und wagt das Spiel mit dem Feuer, bevor Otto Wessely (r.), der vielfach ausgezeichnete österreichische Magical Comedian, mit seiner unverwechselbaren Verbindung aus Magie und Komik einen unnachahmlichen Schlusspunkt unter das farbenprächtige Event setzt.
Fazit: Willkommen in einer Epoche der ausladenden Kostüme, auffälligen Pfauenfedern und bunten Federboas – so fühlt es sich an, wenn die Realität der Gegenwart für einige Stunden in den Hintergrund rückt!
Service:
„Der Jongleur von Notre Dame“ läuft noch bis zum 13. November.










