Kölner Theater im Bauturm in Shakespeares Bann: Richard III. neu interpretiert

Wie ein dunkler Stern geht Richard am Himmel Englands auf, leuchtend zwar, aber doch von unheilvoller Verheißung durchdrungen. In seinem Stück „Richard III.“ zeichnet William Shakespeare das Porträt eines skruppelosen Mannes, der mit gefährlicher Intelligenz und perfidem Ehrgeiz nach der Krone greift. Als Herzog von Gloucester wird der Intrigant von mörderischer Wut angetrieben, die selbst vor seinen Liebsten nicht haltmacht. Gnadenlos eliminiert der Herrscher jeden, der ihm im Wege steht, verbreitet damit Angst und Schrecken im Land.

Diese charismatisch-faszinierende Persönlichkeit mit all ihren Abgründen ist es, die Alexander Vaassen in seiner Version des Dramas im Kölner „Theater im Bauturm“ aufgreift. Er präsentiert sie jedoch nicht als bloßes Historienstück, sondern als zeitgenössische Studie über Macht, Inszenierung und moralischen Zerfall. CarpeGusta war vor Ort und hat sich selbst ein Bild von der eindringlichen Neuinterpretation gemacht.

Kehrt das Böse immer wieder zurück?

Shakespeares Tragödien gelten oft als schwer, gediegen, obwohl (nicht nur) zwischen den Zeilen oftmals der beißende Humor des Schriftstellers aufblitzt. Diese heiteren Elemente sind es, die Vaassen Raum gibt und von drei Schauspielerinnen auf der Bühne umsetzen lässt. Jede von ihnen bringt Richards Vielschichtigkeit höchst individuell zum Ausdruck. Das Trio verkörpert den Monarchen mal verletzlich, mal sanft, mal enthemmt, mal grausam. Diese unterschiedlichen Facetten machen die Figur überraschend zugänglich. Mitunter fühlt man sich als Publikum sogar solidarisch mit dem Despoten, obwohl man es eigentlich besser wissen müsste: dass das Unerbittlich-Grausame stets hinter seiner Fassade lauert und einfach kein Vertrauen verdient! Diese geradezu verwirrende, ja paradoxe Nähe entsteht zweifelsohne durch die enorme Wandlungsfähigkeit und die feinsinnige Darstellungskraft der Künstlerinnen, die Richards Innenleben auf eindrucksvolle Weise nachvollziehbar machen.

Insgesamt wirft die Aufführung somit eine grundsätzliche Frage auf, die während der Aufführung stets mitschwingt: „Ist eine Gesellschaft überhaupt in der Lage, die elementare Kraft des Bösen zu regulieren, die offenbar nach längeren Perioden von Stabilität und Frieden mit beunruhigender Zuverlässigkeit wieder erwacht?“ So bringt es das Theater selbst auf den Punkt. Zu diesem Zweck beleuchtet Vaassen nicht nur die gesellschaftlichen Bedingungen, die Richards grenzüberschreitendes Verhalten überhaupt erst ermöglichten; er regt vielmehr zu einer Reflexion darüber an, „warum das Böse immer wiederkehrt“.

Fazit: Eine Inszenierung, die zeigt, wie zeitlos Shakespeares Werk immer noch ist!

Weitere Spieltermine:

  • 2. März 2026, 19 Uhr
  • 15. März 2026, 18 Uhr
  • 30. März 2026, 20 Uhr
  • 31. März 2026, 20 Uhr
  • 16. April 2026, 20 Uhr
  • 17. April 2026, 20 Uhr