„Kafkas Kochbuch“, herausgegeben von Eva Gritzmann und Denis Scheck, Klett-Cotta Verlag: Er war schwierig, in allem, so wie wir es von Genies nicht anders erwarten. Kafka bediente dieses Klischee par excellence, insbesondere wenn es um sein leibliches Wohl ging. In diesem Buch wird die „schrullige“ Eigenwilligkeit des Ausnahmeschriftstellers detailliert offengelegt. Es zeigt beeindruckend, wie kapriziös er in puncto Nahrungsaufnahme war – und das es gerade diese eine seiner vielen Marotten ist, die ihn bis heute so liebenswert macht.
Kafkaeske Rezepte
Wir erfahren jedoch nicht nur von seinen kleinen „Macken“, sondern dürfen zudem eintauchen in Kafkas lukullischen Mikrokosmos. So erfahren wir beispielsweise, dass er gern Rotkraut, „Spinat mit Grütze“ und Selleriemus mochte. Auf dem Speiseplan standen außerdem Besonderheiten wie „Nudelkuchen“. Das Rezept dafür ist extrem spartanisch. Es besteht lediglich aus 250 Gramm Pasta, 80 Gramm Butter, fünf Eiern, Salz und Wasser. Sein „Reisrand“ kommt sogar mit noch weniger aus: 250 Gramm Reis, Butter und Salz. Und seine „Käse-Muscheln“ enthalten nur je 125 Gramm Butter und Schweizer Käse sowie sechs Eiern. Ein weiteres Highlight: die Spezialität „Watte ums Herz“, gezaubert aus je einem halben Liter eingekochtem Erdbeersaft, Schlagsahne und Wasser, 100 Gramm Stärkemehl, zehn Eiweiß, zwei Esslöffeln Zucker und einem halben Päckchen Vanillin.
Fazit: Kafka-Fans dürfen sich das Buch auf gar keinen Fall entgehen lassen. Selbst wenn sie selbst nicht kochen, müssen sie es sich unbedingt ins Regal stellen!
Klappentext:
„Kafka war seiner Zeit in dem, was er über Menschen schrieb, weit voraus. Wie sich herausstellt, hatte er auch ein prophetisches Verständnis von Risi-Pisi, Spargel-Pudding, Gebackener Pastinak und unzähligen anderen vegetarischen Gerichten.“ Donna Leon
Franz Kafka trieb mit seinen Ernährungsgewohnheiten alle in den Wahnsinn. Das lag an seinem legendären Kochbuch. Der Literatur- und Gastrokritiker Denis Scheck und die Ärztin Eva Gritzmann geben dieses außergewöhnliche und heute völlig vergessene, vegetarische Kochbuch neu heraus. In einer bibliophilen Ausstattung mit zahlreichen Abbildungen ist „Kafkas Kochbuch“ ein ideales Geschenkbuch für jeden, der Kafka kennt oder einfach gern gut isst.
Neben Thomas Mann und Rainer Maria Rilke war auch Franz Kafka Gast in Dr. Lahmans Sanatorium bei Dresden. Er lernte dort das „Hygienische Kochbuch zum Gebrauch für ehemalige Kurgäste“ kennen und damit eine Küche, die ins Herz unserer modernen Ernährungsmedizin zielt. Es macht Lust auf Kochen und Genießen und ein detaillierter Jahresplan vereinfacht die abwechslungsreiche und saisonale Ernährung. In der von Eva Gritzmann und Denis Scheck herausgegebenen und mit einem Vorwort versehenen Ausgabe, stellen die beiden auch die Beziehungen zum Werk Kafkas her. Ganz nebenbei liefern sie so auch einen Schlüssel zu Kafkas Leben und seinen literarischen Texten vom „Hungerkünstler“ bis zum „Brief an den Vater” mit.
Über die Herausgeberin und den Herausgeber:
Eva Gritzmann studierte nach einer Banklehre Betriebswirtschaft und Medizin. Heute arbeitet sie als Ärztin in Stuttgart. Gemeinsam mit Denis Scheck schrieb sie zwei Bücher über Geschmacksunterschiede zwischen Männern und Frauen („Sie & Er“) und über Reife („Solons Vermächtnis“).
Denis Scheck ist einer der bekanntesten Literaturkritiker Deutschlands sowie Moderator der Fernsehsendungen „Lesenswert“ im SWR und „Druckfrisch“ in der ARD.




