Chansons d’amour: Adrienne Haan zwischen Brel und Piaf

Es wurde ganz leise im Publikum, als Adrienne Haan „Ne me quitte pas“ anstimmte. „Nein, verlass mich nicht, verlass mich nicht, verlass mich nicht. Nein, verlass mich nicht“, sang sie mit einer sanften Kraft, die die Stille im Raum komplett ausfüllte. Mit ihrer Interpretation des legendären Stückes über verzweifelte Liebe, Trennungsschmerz und totale Selbstaufgabe legte sich eine wundervoll einnehmende Melancholie über das Publikum im Kölner Theater „Senftöpfchen“. Es war jene bittersüße Traurigkeit, wie sie nur französische Chansons auslösen können. Nicht nur damit machte die Künstlerin mehr als eindrucksvoll deutlich, warum das Genre bis heute nichts von seiner expressiven Wucht verloren hat – und traf die Gäste damit mitten ins Herz.

Anpruchsvoll, poetisch, leidenschaftlich

Die Darbietung von Jacques Brels Klassiker war nur einer der vielen eindrücklichen Momente des Abends. Mit ihren „Chansons d’amour“ erzeugte Haan emotionale Tiefe und zeigte die unterschiedlichsten Facetten dieser Tonkunst. Nachdenkliches wie Heiteres, Berühmtes wie weniger Bekanntes von Charles Aznavour, Georges Moustaki, Michel Legrand, Alain Romans, Patricia Kaas und Desireless fügten sich zu einem Arrangement voller Ausdrucksstärke zusammen, mit intensiven Empfindungen, sprachlicher Eleganz und unaufgesetzter Dramaturgie. Nuanciert, mit kleinen Gesten und den passenden Blicken auf die Bühne gebracht, intonierte sie die anspruchsvollen Texte so auf den Punkt, dass sie ihre poetische Wirkung nicht verfehlten. Ihr langjähriger Kollege Benjamin Schäfer begleitete sie dabei am Flügel.

Den krönenden Abschluss bildete Edith Piafs „Non, je ne regrette rien“, das Sinnbild für Unbeugsamkeit und ungebrochenen Lebensmut schlechthin. Wie keine andere steht der „Spatz von Paris“ bis heute für schöpferische Leidenschaft, die sie in fühlbare Melodien verwandelte. Genau dieses überwältigende Gefühl von Stärke und Präsenz vermittelte auch Haan im ausverkauften Theater bis zum letzten Akkord.

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